„Wie spreche ich die Hochsensibilität meines Schulkindes an, ohne es wie eine Störung klingen zu lassen?“

Eine häufige Frage, die sich Eltern von hochsensiblen Schulkindern stellen, ist: „Wie erkläre ich den Lehrern, dass mein Kind hochsensibel ist, so dass sie es verstehen und ohne, dass es klingt wie eine psychiatrische Störung, die mal näher untersucht werden sollte?“

Oft berichten – insbesondere Elternteile, die selbst hochsensibel sind und das Kind in seinem Empfinden nur zu gut verstehen können, dass sie es versucht haben, im Schulgespräch zu erklären, dass das Kind hochsensibel ist und man dies berücksichtigen solle und als Antwort verständnislose Blicke geerntet haben oder den Gegenvorschlag erhalten haben, sie sollten ihr Kind doch mal beim Psychiater gründlich untersuchen lassen.

Vielleicht habe es ja ADHS, Autismus oder sonst irgendeine Diagnose, mit der in Schulen nur allzu gerne Selektion betrieben wird.

„Sag ich dann lieber gar nichts?“, „Kann ich das irgenwo nachweisen lassen, dass es Hochsensibilität gibt bzw. mein Kind hochsensibel ist und denen das als Beweis unter die Nase reiben?“ oder „Ist mein Kind überhaupt hochsensibel? Darf ich das einfach so behaupten?“ sind typische Fragen, die da aufkommen.

In meinem Blogartikel möchte ich Dir ein paar Impulse geben, wie Du darüber sprechen kannst, ohne es wie eine psychiatrische Störung oder eine unerwünschte Besonderheit klingen zu lassen.

1. Mach Dir Deine Intention und Dein Gesprächsziel klar!

Wenn Eltern das dringende Bedürfnis haben, Lehrern zu erklären, dass ihr Kind hochsensibel sei, gibt es in der Regel eine dahinterliegende Intention.

Manchmal wird diese – vor Allem, wenn es sich um eine emotional geladene Situation handelt – ausgeblendet und am Ende des Gesprächs, an dessen Erfolg sowieso nicht geglaubt wurde, ist die Situation schlimmer als zuvor und es wurde zusätzlicher Druck erzeugt statt Druck herausgenommen und zusätzliche Verwirrung gestiftet, statt Klarheit erschaffen.

Nicht selten macht sich nach wiederholten Versuchen, bei Lehrern mehr Rücksicht auf das „hochsensible Kind“ zu erreichen, Resignation breit.

Mein Impuls:

Wenn Du das Bedürfnis hast, mit Lehrern über die Hochsensibilität Deines Kindes zu sprechen, werde Dir über Deine Intention und Dein genaues Gesprächsziel klar, statt einfach nur einem emotionalen Impuls zu folgen und beim Gespräch schließlich ins Stammeln zu kommen oder einen Wutanfall zu bekommen, weil nur Bahnhof verstanden wird und Du Verdachtsdiagnosen und Erziehungsratschläge um die Ohren gehauen bekommst!

Zu Deiner inneren Klarheit kannst Du schriftlich auf folgende Fragen eingehen: 

  1. Warum habe ich das Bedürfnis, Lehrern die Hochsensibilität zu erklären? (dabei kannst Du sowohl auf die aktuelle / konkrete Situation eingehen als auch auf Dein emotionales Bedürfnis und die emotionalen Bedürfnisse Deines Kindes, die Du ihm erfüllen möchtest.)
  2. Welches genaue (Mindest-)Ziel oder welche Hoffnungen verfolge ich mit diesem Gespräch? (Dabei kannst du auch sowohl nicht-greifbare Dinge, wie bspw. „sich besser verstanden fühlen“ als auch konkrete Dinge, wie „sie sollen wenigstens einmal in der Woche das Klassenzimmer lüften, ob’s es braucht oder nicht“ 😉 nennen.

Wenn Du diese Fragen für Dich ganz ehrlich beantwortet hast, kannst Du mit Sicherheit schon die einen oder anderen Schlüsse ziehen.

2. Konkretisiere, was mit "mein Kind ist hochsensibel" im Kontext Schule genau gemeint ist

Hier ein paar Originalzitate zu den typischen Unsicherheiten, wenn es darum geht, die Hochsensibilität des Kindes zu erklären:

„Als ich der Lehrerin sagte, mein Kind sei hochsensibel, wollte sie genau wissen, was das ist und ich konnte es nicht richtig erklären. Ich brauche wissenschaftliche Literatur dafür, sonst glauben sie das nicht.“,

„Als ich dem Lehrer sagte, meine Tochter sei hochsensibel, verlangte er ein ärztliches Attest. Aber es gibt leider keins, um die Hochsensibiltität meiner Tochter zu beweisen. Was kann ich tun?“ 

Sätze wie diese zeigen mir, wieviel Unsicherheit das Phänomen „Hochsensibiltät“ hervorruft, als wäre es eine Krankheit, die man attestieren oder beweisen müsste.

Sätze wie diese sprechen für mich Bände darüber, wie „unnormal“ sich Menschen mit natürlichem, ungefilterten Empfinden offenbar vorkommen und daher glauben, man müsse verständnislosen Lehrern unbedingt ein Wort und eine wissenschaftliche Erklärung liefern, um zu legitimieren, dass das Kind beispielsweise auf einen unangenehmen Sitznachbarn, schreiende Lehrer, eine stichelnde und provokativ schauende Lehrerin, Gestank und Lautstärke mit Irritationen bis hin zu handfesten Symptomen reagieren. 

Mein Impuls:

Wenn Du mit Lehrern über die Hochsensibilität Deines Kind sprechen möchtest, dann gibt es ja immer einen konkreten Inhalt dazu. Und was „mein Kind ist hochsensibel“ für euch genau in diesem individuellen Kontext bedeutet, darum geht es doch. Nicht um eine Rechtfertigung, Legitimierung oder gar Entschuldigung für feines Empfinden.

Klar, Du könntest Dich mit Fachliteratur bewaffnen und hoffen, dass die Lehrer das lesen (und befolgen!) werden.

Ich gehe davon aus, dass ein Lehrer, der auf wissenschaftliche Beweise und Diagnosen beharrt, bevor er auch nur im Entferntesten Rücksicht auf die individuellen Bedürfnisse des empfindsamen Kindes (und vielleicht auch die Bedürfnisse der anderen Kinder, die sich auch bei unmenschlichen Bedingungen wie erwünscht verhalten) nehmen möchte, wird auch den besten Beweis niederschmettern. „Ach was. Hochsensibel. Verweichlicht würde ich sagen“ könnte die Antwort von einem nicht einfühlungsbereiten Lehrer lauten. Und dann? Wie geht es dann weiter?

Des Weiteren lässt sich fehlende Empathie nicht einfach durch rationale Beweise an den Intellekt herzaubern. Wenn Du es mit einem unsensiblen Lehrer zu tun hast, der sich offenbar weder einfühlen KANN noch WILL, kann ich Dir auch meinen Blogartikel „Hilfe! Wie erkläre ich einem unsensiblen Lehrer mein hochsensibles Kind?“ empfehlen.

Denn das Verlangen nach einem Beweis kann auch ein Vorwand sein, um als Lehrer oder als Schule keine Verantwortung für den eigenen Anteil tragen zu müssen.

Das Problem wird dadurch also problemlos auf das „Problemkind“ und die „beratungsresistenten Eltern“ abgewälzt, die beim Verlangen eines wissenschaftlichen oder ärztlichen Beweises unsicher werden und nicht mehr weiterwissen.

Und die Lehrer, die sich einfühlen WOLLEN und die Bedürfnisse der Kinder achten WOLLEN, die können es auch ohne Attest, Test-Ergebnis oder Betriebsanleitung. Denn auch „hochsensible Kinder“ sind – wie alle anderen auch – individuell. Sogar noch mehr als sogenannte „normale“, denn sie „funktionieren“ nicht und tun sich schwer, sich an eine Norm anzupassen, wenn sie es denn versuchen.

Wenn Du das Gefühl hast, die Lehrkraft versteht „Hochsensibilität“ nicht als Diagnose, sondern will sich damit auch offenen Herzens befassen, um die besonders empfindsamen Kinder noch besser zu verstehen (und vielleicht sogar die eigene hochsensible Ader und dadurch eine tiefere Verbindung zu den Kindern zu entdecken), dann kannst Du dies auch sicherlich tun und ihr entsprechende Literatur empfehlen, wenn Du dies für passend empfindest. Vertrau da auf dein Gefühl. 🙂

Du könntest auch ganz konkret – ganz befreit vom Wort „Hochsensibilität“ – genau beim Namen nennen, in welcher Hinsicht Du Dir Verbesserungen wünscht und worauf Dein Kind konkret mit Symptomen / Irritationen reagiert.

Denn darum geht es ja letztendlich. Es geht nicht darum, zu „beweisen“, dass das Kind „hochsensibel aber nicht psychisch krank“ ist, sondern für bessere Rahmenbedingungen und mehr Verständnis für die individuellen Bedürfnisse des Kindes zu schaffen.

Denn: Hochsensible Kinder decken durch ihre direkte Reaktion auf unmenschliche bzw. sinnesbeleidigende Umstände nur auf, was im Grunde ALLEN nicht gut tut.

Gut, feinsinnige Kinder sind auf manchen Kanälen ansprechbar, wo andere so gut wie taub sind und kein Signal empfangen. Subtile Manipulationen und unterschwellige Mobbingbotschaften kann im Grunde nur ein hochsensitives Kind so richtig wahrnehmen. Deswegen sind sie auch oft prädestinierte Mobbingopfer.

Wenn Du also ganz konkret – ohne unbedingt das Wort „Hochsensibilität“ nennen zu müssen – beim Namen nennst, worauf Dein Kind empfindlich reagiert, kommst Du nicht in die allzu typische Verdachtsdiagnosen-Diskussion, sondern stellst eine Beziehung her zwischen den Rahmenbedingungen in der Schule und der vollkommen natürlichen Reaktion Deines Kindes darauf.

Also konkret könnten das Dinge sein wie „Ich wünsche mir, dass mindestens einmal pro Schulstunde gründlich gelüftet wird. Mein Kind sagt, es hält diesen Gestank kaum aus und ich kann das nur zu gut verstehen.“ oder „Ich möchte mein Kind keinem schreienden und beleidigenden Lehrer aussetzen. Wie können wir das lösen?“

oder „Meinem Kind ist sein Sitznachbar sehr unangenehm und spürt aufgrund seiner hohen Empathiefähigkeit dessen aggressive Ausstrahlung sehr stark. Ich möchte, dass es sich einen angenehmeren Sitznachbar aussuchen darf.“

oder „Meinem Kind geht es aufgrund seinem hohen Empathievermögen und Gerechtigkeitsempfinden sehr schlecht, wenn Mitschüler bestraft und erniedrigt werden. Und ich verstehe auch nicht, warum Menschen sich erstmal schlechter fühlen sollen, um sich besser zu verhalten. Ich wünsche mir für mein Kind und für die anderen, dass sie frei von Entwürdigungen durch Lehrkräfte und ohne Angst in die Schule gehen können.“

Eine andere Möglichkeit wäre ein konstruktiver Brief an die Lehrkraft oder die Schulleitung, in dem  zwar auch die Reaktion des Kindes auf die Umstände benannt wird, aber der Haupt-Fokus darauf gelegt wird, dass vorgeschlagene Verbesserungen in gewisser Hinsicht, ja allen zu Gute kommen würde.

Wenn die Schulleitung offen für Verbesserungsvorschläge ist und Feedback von außen gerne entgegen nimmt – was es ja auch geben soll – dann würde dies sogar noch einen Mehrwert für alle liefern. Es kann ja Schulen geben, in denen ehrliches Feedback tatsächlich erwünscht ist, aber keiner traut sich so recht.

Wenn es an einer Schule tatsächlich nur an Betriebsblindheit und gehemmter Kommunikation zwischen Eltern, Schülern und Lehrern liegen sollte, was wirkliche und bedürfnisorientierte Verbesserungen unmöglich macht, wäre dies doch eine gute Gelegenheit, die Qualität der Schule im Rahmen des Möglichen bedürfnisorientiert und zum Wohle aller, zu verbessern, indem konstruktive Vorschläge aus der Sicht eines besonders feinsinnigen Menschen zu machen, der ein Gespür für Verbesserungspotenzial hat, was im Grunde allen zu Gute kommen würde.

3. Willst Du als hochsensibler Elternteil oder Lehrer hochsensible Schulkinder und Dich selbst stärken?

Dann lade ich Dich herzlich in meinen Onlinekraftort für Hochsensible ein, die sich eine würdevolle Schulzeit für die Kinder (und sich selbst) wünschen.

Dort kannst Du mit Gleichgesinnten an einem wertvollen Austausch teilnehmen, Fragen an die Gruppe stellen und wertvollen, gruppenexklusiven Content (Postings, PDFs, Videos) genießen und an dieser wundervollen Gruppenenergie teilhaben.

Bist Du hochsensibel und sind für Dich Kinder echte Menschen mit dem gleichen Recht auf Würde? Willst Du Deine eigene Hochsensibilität zum Strahlen bringen, diese nur noch als Potenzial leben und aus dieser Kraft heraus die hochsensiblen Schulkinder stärken? 🙂

Dann bis gleich in meiner Gruppe! Ich freue mich auf Dich!

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