„Hilfe! Wie erkläre ich einem unsensiblen Lehrer mein hochsensibles Kind?“

Gestern erreichte mich eine Frage, über die ich schon so oft gestolpert bin und die sich – so wie ich es immer wieder zwischen den Zeilen lesen konnte – so viele ratlose  hochsensible Eltern stellen, die ihr Kind in diesem eher unsensiblen Schulsystem mit allem was sie haben (und auch mit dem was sie momentan noch nicht haben) schützen wollen.

Viele von ihnen sind ratlos, verzweifelt, rasend vor Wut, außer sich und überlegen sich, wie sie diesen unsensiblen Lehrern nur klarmachen können, dass ihr Kind hochsensibel ist. Die übliche Reaktion bei diesen Erklärungsversuchen lässt sich nicht schwer erraten.

Es ist im Grunde immer das gleiche Szenario:

Je mehr Mütter (vllt. auch Väter, aber ich hatte bislang hauptsächlich mit Müttern zu tun) einer Lehrkraft oder einer Kindergärtnerin vom Typus „hat mir auch nicht geschadet“ versuchen, ihr Kind zu erklären, desto mehr Unerwünschtes beschwören sie hierdurch herauf.

Sie bekommen Erziehungsratschläge der alten Schule um die Ohren geschlagen. Sie hören Sätze wie „Du verweichlichst Dein Kind“, „da mussten wir alle durch“ und „das muss er / sie eben lernen“, „wenn Du nachgibst, nur weil es schreit (typisch bei Eingewöhnungen im Kiga), dann lernt es, es muss nur schreien“ (statt: „dann lernt es, Dir zu vertrauen, dass du es nicht in seiner Not nicht im Stich lässt“)…

Die Krönung ist in manchen Familien, dass die Schwiegermutter oder der Vater, der zum nicht-weinenden Indianer erzogen wurde, dann auch noch mit Sprüchen wie „hat noch niemandem geschadet“ daher kommen.

Und wie es nun mal so ist, lassen sich viele Eltern (insbesondere Mütter) davon verunsichern, was gleichzeitig bedeutet, dass sie immer mehr an Kraft und Stabilität verlieren, die sie doch so dringend brauchen würden, um das eigene Kind auch energetisch zu schützen und es von innen heraus zu stärken. Weil sie sich selbst angegriffen und stark getriggert fühlen. Weil in ihnen selbst ein verletztes, hochsensibles Kind lebt, das in solchen Interaktionen an die Front tritt.

Und was, wenn Du Dich nicht rechtfertigen und Dein "hochsensibles" Kind nicht erklären musst?

Wenn Du ein Elternteil bist, der sich jetzt schon wiedererkennt und sich andauernd für das eigene Empfinden und für das erhöhte Empfinden des Kindes rechtfertigen möchte, dann möchte ich Dir mal eine Frage stellen:

Kannst Du Dir vorstellen, dass ein Lehrer einen Schüler anschreit, ihn permanent bestraft, ihm sagt „es ist nur zu Deinem Besten“ und dann als Rechtfertigung zu dessen Eltern sagt:

„Sorry, ich hab ein hochgradiges Stockholm-Syndrom und muss mir immer wieder einreden und selbst beweisen, was ich erlebt habe, hat noch niemandem geschadet, weil ich erstens aufgrund von in der Kindheit erlebter tiefster Ohnmacht heute endlich dieses Gefühl von Macht genieße und zweitens ohne diesen meinen inneren Härte-Wächter nie wieder aufhören könnte, zu weinen, bei all dem Schmerz und den Erniedrigungen, die ich in meiner Kindheit und Schulzeit erlebt habe.“ ?

Nicht? Klingt das so abwegig?

Okay, das ist vielleicht ein zu krasses Beispiel… dann vielleicht ein bisschen harmloser:

Kannst Du Dir vorstellen, dass eine Erziehungsberaterin oder Erzieherin oder Lehrerin (nein, ganz sicher sind nicht alle so) Dir nach ihrem Erziehungsvortrag sagen würde:

„Sorry, also ich weiß zwar, dass Sie ohnehin nie umsetzen können und wollen, was ich Ihnen jetzt in meinem Erziehungsmonolog vorgetragen habe. Ich weiß aus Erfahrung, dass Sie es vielleicht aus schlechtem Gewissen ein bisschen versuchen werden, meinen Ratschlägen zu folgen, aber Ihr Herz ist viel zu weich und Ihr Empfinden viel zu menschlich, für das was ich Ihnen da rate. Ihre Sorte kenne ich… und ich wünschte, ich hätte mal diese Weichheit erfahren. 

Außerdem macht es mir Spaß, Ihnen Schuldgefühle zu machen, Ihre Ängste zu schüren und Ihnen Ihre Unzulänglichkeit als Mutter unter die Nase zu reiben. Aber abgesehen davon, dass ich es laut meiner Ausbildung und dieser engen Verordnungen und wegen meinem Chef so machen muss, habe ich einfach einen enormen Drang, Ihnen zu sagen, dass Sie mehr erziehen müssen.

Es ärgert mich, dass die Kinder von heute Freiheiten und Verständnis bekommen, das ich in meiner Kindhiet nicht bekam. 

Sie müssen konsequenter sein. Grenzen und Konsequenzen. Erziehung ist der Sinn des Lebens. 

Dass ich so bin, kommt einfach daher, dass ich selber unheimlich streng erzogen worden bin und mir jetzt insgeheim selber vormachen muss, es habe mir nicht geschadet und ich sei sogar dankbar. 

Weil ich auch durch vieles durchmusste, wozu ich jetzt unter professionellem Deckmantel rate und ich wegen meinem eigenen Erlebten im Grunde meines Herzens sehr wütend bin, müssen auch die Kinder von heute durch.

Sonst könnte ich nicht mehr aufhören, zu weinen. Ähnlich wie der cholerische Lehrer, der seine Schüler anschreit und dessen Verhalten ich herunterspiele.“

Kannst Du Dir wenigstens so ein Geständnis / Rechtfertigung vorstellen? Nein?

Warum ist es dann sowas von üblich, dass sich Menschen, die wir der Einfachheit halber jetzt mal „hochsensibel“ nennen, laufend so wahrhaftig und ehrlich, wie es ihnen nur möglich ist, für ihr hochgradig normales Empfinden (bzgl. seelischer Gewalt und unwürdigen, sinnesbeleidigenden Umständen in Einrichtungen) rechtfertigen und unsensiblen Menschen ihr Kind mit weniger gefilterter (Fein-)Wahrnehmung erklären wollen, statt die Misstände direkt beim Namen zu nennen – oder sich noch besser eine sinnesfreundlichere und würdevollere Einrichtung zu suchen? Bzw. sich darauf zu fokussieren, ihr Leben möglichst hochsensibiltäts-freundlich einzurichten und diese Eigenschaft als Ressource zu leben?

Wie sich Hochsensible oft für sich und ihr Kind rechtfertigen, als würde etwas mit ihnen nicht stimmen

„Entschuldigung, mein Kind ist einfach hochsensibel. Und ich übrigens auch. Das ist ja das Problem. Ich verstehe mein Kind einfach zu gut, deswegen bin ich so empfindlich, wenn jemand mit meinem Kind so umgeht und mir derartige Erziehungstipps gibt. Und mir noch sagt, mein Kind darf nicht so verweichlicht werden. Entschuldigung.

Ich weiß nicht wie ich es erklären kann und eigentlich auch nicht mehr will, aber ich muss es erklären. Und trotzdem bin ich STINKSAUER! Darf man nicht so empfinden? Entschuldigung, wir sind hochsensibel. Wir haben eine enorme Abneigung gegen Gewalt jeglicher Art – ob sie nun subtil und unterschwellig ist oder ob sie offensichtlich ist. Entschuldigung.

Ja ich weiß, wir sind nicht ganz normal. ABER DAS MACHT MICH STINKSAUER UND HILFLOS, DASS DAS NICHT NORMAL SEIN DARF! ICH WÜNSCHTE, ALLE WÄREN SO MENSCHLICH WIE WIR UND NICHT ABGESTUMPFT.

Des Weiteren sind wir aufgrund unserer feinen Wahrnehmung im energetischen Bereich nicht gerade Fans davon, neben unangenehmen Sitznachbarn oder in einem Raum mit einem cholerischen Lehrer zu verweilen – schon gar nicht stundenlang und fünf Tage die Woche.

Und dieses lieblos eingerichtete Klassenzimmer und dieser lästige Pausengong, der in unserer Magengrube landet … entschuldigung, das beleidigt unsere Sinne und das macht uns reizbarer. Entschuldigung. Wir wollen in einer schönen Umgebung, die unsere Sinne erfreut und schont, verbringen. In menschenwürdigen Bedigungen und auf Augenhöhe. Entschuldigung, dass wir so empfinden. 

Und diese Luft im Klassenzimmer… die hält mein hochsensibles Kind nicht aus. Ich würde es auch nicht aushalten. Entschuldigung für unsere Empfindlichkeit. Und diese unmenschliche Atmosphäre hier, die geprägt ist von Strafen und subtiler Gewalt. Wir nehmen sowas stark wahr. Entschuldigung. Können sie auf unser übernatürliches Empfinden nicht ein bisschen Rücksicht nehmen? Achso… ihnen fehlt ja die Empathie… Wie kann ich es Ihrem Kopf nur noch besser erklären, wofür ihnen schlicht das Empfinden fehlt?“ 

Ja… es klingt auch überspitzt, aber ist es inhaltlich nicht genau die Art, wie viele hochsensible Eltern ihre eigene Hochsensibilität und die Hochsensibilität des Kindes erklären wollen? Sehr sinnvoll, nicht wahr? 😉

Wir sind vollkommen okay so wie wir sind! Hochsensibilität - bejahend angenommen und ressourcenorientiert gelebt - ist ein Segen, nicht nur für uns selbst!

Wir sind vollkommen okay so wie wir sind. Auch wenn wir außergewöhnlich normal empfinden – uns schlicht die Filterfunktion fehlt, mit der wir Dinge ausblenden können, die bei uns auf Resonanz stoßen. Wir sind nicht abgehärtet und wir lassen uns nicht abhärten. Aber stärken. 🙂

Wir sind deswegen weder etwas „besseres“, noch etwas „schlechteres“ als andere Menschen. Und doch haben wir Hochsensiblen eine besondere Aufgabe hier auf der Welt, die wir wertschätzen, annehmen und mit Würde tragen dürfen. Wir müssen uns nicht (länger) kleinmachen. Wir dürfen auf Augenhöhe gehen und unsere Qualitäten in die Welt bringen.

Egal in welcher Rolle. Ob als Mutter, ob als Lehrer/in, als Therapeut/in, Coach oder sonst eine hochsensible Person, die durch ihr feines Gespür einer Aufgabe nachgeht, der sie durch ihr tiefes Empfinden und Gespür für Feinheiten ihre ganz besondere Handschrift verleihen kann.

Wir sind vielleicht nicht die geborenen Buchhalter, Metzger, Intensivpfleger, Pathologen oder Unfallchirurgen. Als Gefängniswärter oder als Sicherheitspersonal eignen sich die Meisten von uns vermutlich auch weniger. Und wir können uns glücklich schätzen, dass es Menschen gibt, die genau dafür gemacht sind.

Wir brauchen darüber hinaus tendenziell mehr Erholung, mehr Rückzugsmöglichkeiten und mehr Luft zum Atmen als andere. Weil wir noch mit vollem Bewusstsein wahrnehmen, wofür andere im Laufe ihrer Entwicklung Filter und innere Wächter entwickelt haben.

Dafür haben wir Potenziale, die in dieser Welt ebenso wenig fehlen dürfen, denn…

  • Was wäre ein Gourmetkoch ohne seine hochsensible Nase – was ihn aber auch empfindlicher für unangehme Gerüchte (u. A. im Klassenzimmer) macht, was ihn dann auch mal leicht reizbar werden lässt?
  • Was wäre ein exzellenter Musiker ohne sein feines Gehör – was ihn aber auch empfindlicher macht gegen unangenehme Geräusche und subtile Botschaften, die mit der Stimme mitschwingen?
  • Was wären psychologische Coaches & Therapeuten ohne den berühmten 6. Sinn und einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und Menschlichkeit – was sie aber auch empfindlicher macht, in einer unwürdigen Atmosphäre zu verweilen?
  • Was wäre ein Reformer ohne diese Qualitäten – auch wenn ihn sicher nicht alle verstehen werden?
  • Was wäre ein spiritueller Lehrer ohne übersinnliche Wahrnehmung?
  • Was ist eine Mutter ohne ihre feine Intuition, ihr ausgeprägtes Bauchgefühl und ihr empfindliches Bedürfnis, ihren Nachwuchs vor Unmenschlichkeit und Missbrauch zu schützen – auch wenn sie in diesem Schulsystem in der Konversation mit manchen anderen Menschen sicherlich getriggert wird?

Und das waren nur wenige Beispiele davon, um zu veranschaulichen, dass Hochsensibilität durchaus ihre Qualitäten hat, die auf der Welt nicht fehlen dürfen – vor Allem nicht, wenn sie wieder zu einem liebenderen Ort werden soll. Denn Hochsensible reagieren auf alles mit Symptomen, was nicht in der Liebe ist. Ihnen fällt es viel schwerer, sich und anderen etwas vorzulügen (eine gewisse Zeit geht das, aber keinesfalls symptomfrei).

Und jedes „Hochsensibilitätsprofil“ hat ebenfalls ihren tiefen Sinn. Mit Sicherheit war es auch mir nicht immer angenehm, so ziemlich in jedem Bereich (bis hin zu feinstofflichen Wahrnehmungen) hochsensibel zu sein – doch jetzt ist es meine größte Ressource, die ich in meinem Beruf zum Ausdruck bringe und andere Menschen unterstütze, ihre Hochsensibilität zum Strahlen zu bringen und aus dieser Kraft heraus auch die (hochsensiblen) Kinder in diesem Schulsystem wahrhaft zu stärken.

Und ich bin überzeugt davon, dass jeder hochsensible Mensch sein individuelles Hochsensibilitätsprofil – egal in welcher Rolle – auf seine Weise, ob im kleinen oder im großen Stil, zum Blühen bringen kann, so dass ihm, seinem Umfeld und der Welt diese Persönlichkeitseigenschaft zum Segen werden kann. Wenn der Mensch bereit dazu ist, sich aus Projektionen zu lösen, zu sich selbst zurück zu kehren und in allem was er wirklich ist ganz zu werden.

Hör auf Dich zu rechtfertigen! Werde lieber strahlend und kraftvoll in Deiner Hochsensibilität und stärke dadurch auch die Kinder

Wie wäre es, wenn wir „Hochsensible“ uns – statt uns zu rechtfertigen und uns unbewusst für unser erhöhtes Empfinden abzulehnen – fortan nur noch darauf fokussieren würden, strahlend und kraftvoll sensibel zu werden?

Vielen – wenn nicht allen – hochsensiblen Eltern (und natürlich auch Lehrern) liegt es zutiefst am Herzen, insbesondere die hochsensiblen (aber natürlich auch die normalen) Kinder in diesem Schulsystem zu stärken. Für sie sind Kinder „echte Menschen“ mit dem gleichen Recht auf Würde. Ohne Wenn und Aber.

Und die meisten verausgaben sich, wie sie nur können, um dies durchzusetzen. Unter Anderem durch diese ständigen Rechtfertigungsversuche, die immer wieder auf taube Ohren stoßen und das Unerwünschte noch mehr heraufbeschwören.

Es geht auch leichter!

Wie wäre es, wenn Du nur das Beste für Dich selbst tun müsstest – indem Du Deiner eigenen Hochsensibilität Wurzeln, kreativen Fluss und Strahlkraft verleihst – und Du dadurch automatisch alle Kinder, mit denen Du egal in welcher Rolle zu tun hast, bestmöglich stärkst? Ohne Motivationsversuche, Aufmunterungssprüche und ohne für sie regelmäßig in den Krieg ziehen zu müssen (außer im Akutfall natürlich) ?

Stell Dir das mal vor – Du in Deiner idealen, erlösten Form! Verwurzelt, voller Selbstliebe, selbstbewusst, charismatisch … frei von alten Glaubenssätzen. Frei von irrationalen Ängsten… Frei von Selbstwertzweifeln… Frei von allem anderen, was dich blockiert… Stell es Dir wirklich mal vor.

Glaubst Du mir, dass Du als diese Person, die Du Dir soeben vorgestellt hast, den Kindern – ob Deinen eigenen, Deinen Schülern oder Deinen jungen Klienten – auf vollkommen andere und viel kraftvollere Art Schutz und Segen geben könntest? Viel besser als durch „Hochsensibilitäts-Anleitungen an empathielose Menschen verteilen“, die ohnehin nicht ernst genommen werden?

Kannst Du Dich dem Gedanken öffnen, dass Du das Allerbeste für alle Kinder, das Schulsystem und die Welt tust, wenn Du endlich Dein Potenzial, das mitunter in Deiner Hochsensibilität steckt, entfaltest? Und dadurch eine bessere Ausstrahlung, andere Gedanken und auch eine authentisch selbstbewusstere Kommunikation hättest?

Und Du dadurch in komplexen, nicht vorhersehbaren Situationen auch viel kompetenter operieren könntest – bspw. bei Schulkonflikten, aber auch in allen anderen Lebensbereichen?

Bist Du auch offen dafür, Dinge nicht nur strategisch und von außen anzugehen, sondern auch von innen heraus, auch auf psychoenergetischer / spiritueller Ebene?

Dann herzlich Willkommen in meiner neuen kostenfreien Facebookgruppe „Hochsensible Schulkinder und Dich selbst stärken mit Katrin Semm (M. A.)“. Dort gibt es gruppenexklusiven Content (gleich im fixierten Beitrag findest Du schon jede Menge), wertvollen Austausch mit anderen hochsensiblen Eltern, Lehrern, (und auch ein paar Coaches & Therapeuten), die Deine Werte teilen.

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