7-Schritte-Strategie zur erfolgreicheren Vorbereitung auf unangenehme Schulgespräche – für Mütter, die den Teufelskreis durchbrechen wollen

Wenn man die PR-Botschaften der meisten Schulen bezüglich „vertrauensvoller“ und „kooperativer Zusammenarbeit“ zwischen Lehrern und Eltern „zum Wohle des Kindes“ dem Realitätscheck unterzieht – so kann man zwar durchaus Glück haben und es tatsächlich mit einer von Menschen geführten Schule zu tun haben, in denen nicht nur Eltern und Lehrer „miteinander anstatt gegeneinander“ (gegen die Schüler) kooperieren sollen, sondern Eltern, Lehrer UND Schüler im gleichwürdigen Miteinander ko-exisiteren können. Aber das ist selten.

Wo letztere Mentalität herrscht und nicht in Frage kommt, Eltern gegen ihr Kind zu instrumentalisieren, sondern auf Gleichwürdigkeit aller Beteiligten geachtet wird und Probleme im Dialog auf Augenhöhe anstatt mit „Konsequenzen“, Auflagen und Drohungen gelöst werden, dort kann man durchaus gelassen in Gespräche gehen und hat nichts zu befürchten.

Aber es gibt auch Schulen, die zwar nach Außen hin in Richtung Eltern auf „vertrauensvolle Zusammenarbeit“ plädieren, die aber durchaus mit Vorsicht zu genießen sind und wo die Kommunikation mit der Schule durchaus gut vorbereitet sein will. Denn in diesem Fall geht es in der „vertrauensvollen“ Werbebotschaft vor Allem darum, dass Eltern möglichst viele Informationen preisgeben, mürbe gemacht werden und sich immer wieder gegen ihr Kind einnehmen lassen.

Konfliktgespräche an solchen Schulen kann für Eltern – insbesondere für hochsensible Mütter, die ihr Kind schützen wollen und beim Versuch selber zerfleischt werden – wahrlich zum Martyrium werden.

Die Folge ist, dass es mit jedem Gespräch, das (bisher) immer gleich zu enden scheint, schwieriger wird, aus dem Teufelskreis herauszukommen, denn…

  1. … solche belastende Gespräche können Auswirkungen in verschiedene Kommunikations-Richtungen haben: zum einen auf die weitere Kommunikation mit der Schule, auf die Kommunikation mit dem Kind und unter Umständen sogar auf die Kommunikation und die Beziehung mit dem eigenen Partner.
  2. … solche Gespräche, in denen die Mutter immer wieder Ohnmachtserfahrungen macht, können die Mutter immer wieder re-traumatisieren und sie in ihrer Annahme, sich sowieso nicht behaupten zu können, immer weiter bestätigen und dadurch immer weiter schwächen – obwohl ein Teil dieser Ohnmachtserfahrung nicht nur daher kommt, womit sie von Außen konfrontiert wird, sondern auch, wie sie reagieren kann und wie sie damit den weiteren Gesprächsverlauf beeinflusst. Und wie sie somit mit denjenigen, denen sie sich bislang ausgeliefert fühlt, kommunizieren kann.
  3. … wenn man einmal als Mutter oder als Kind an der Schule als „schwieriger Fall“ gilt – und Lehrerzimmer sind wahre Brutstätten für „schwierige Fälle“ – dann wird es immer schwerer, da wieder rauszukommen. Zum Einen durch die Gerüchteküche und die Urteile, welche sich Lehrer und weitere beteiligten Personen (z. B. Mitarbeiter des Jugendamtes oder der Erziehungsberatungsstelle) auf dieser Grundlage bilden, zum Anderen durch den eigenen Glauben, bereits als „schwieriger Fall“ zu gelten und deswegen eh auf dem Kieker der Schule zu sein. Wer sich so ausgeliefert fühlt, strahlt das aus, kommuniziert dementsprechend und bestätigt die gemeine Gerüchteküche – fast zwangsläufig.

Diesen Teufelskreis gilt es, zu durchbrechen – möglichst auf Ursachenebene. Irgendwelche rein äußerlichen Verhaltensverrenkungen werden hier nichts bringen.

Wenn bei Dir schon das nächste Schulgespräch anberaumt ist und Du endlich mal einen Unterschied zu sonst erleben willst, dann habe ich hier eine 7-Schritte-Strategie für Dich, mit der Du den Teufelskreis durchbrechen und neue Erfahrungen machen kannst.

1. Wütend, verwirrt, ängstlich, ratlos? Mach erst mal eine Meditation!

Du wirst mal wieder zu einem unangenehmen Schulgespräch eingeladen und das Einladungsschreiben löst in Dir Angst, Wut, Verzweiflung, Unsicherheit oder unangenehme Vorausahnungen aus?

Soforthilfemaßnahme: Wenn das der Fall ist und Dein Kopf sich „selbständig“ macht, dann rufe zu Deinem unangenehmen Kopfkino laut und kraftvoll „STOP“ – um den negativen Gedankenfluss zu unterbrechen. Jedes mal, wenn sich Dein Kopf gegen Deinen Willen „selbständig“ macht und Horrorszenarien an die Wand malt. Manchmal braucht es ein Paar „STOPS“, damit im Kopf Ruhe einkehrt.

Denn Kopfkino und negative Befürchtungen bringen Dich jetzt nicht weiter. Und was Dich noch weniger weiterbringt sind Streit mit Deinem Partner oder Vorwürfe gegen Dein Kind.

Und dann zieh Dich zurück und mach erstmal eine Meditation: Bevor Du das Gespräch planst oder irgendetwas überlegst, such Dir eine für Dich passende Meditation raus (z. B. „Angstfrei leben“, „Tiefenentspannung“ oder „Ärger und Wut“ von Rüdiger Dahlke), um einfach erstmal runter zu kommen und überhaupt wieder klar im Kopf zu werden. 

Wenn Du Dich nicht mal in der Lage fühlst oder einfach keine Lust hast, zu meditieren, dann geh eine große Runde spazieren oder laufe 20 Minuten mit Barfuß auf dem Naturboden. Beides lenkt die Energie nach unten, Du „erdest“ Dich und Dein Kopf kann sich beruhigen, Du wirst klarer und ruhiger. Wenn Du dabei über den Kopfhörer erdende Musik hörst, kannst Du den Effekt verstärken. 

Was nichts bringt, ist, sich mit „falschen Ratgebern“ zu unterhalten, oder sich bei einer Freundin oder Leidensgenossinnen „auszukotzen“, die Dir auch nicht wirklich weiterhelfen können, sondern nur mitjammern oder „gute Ratschläge“ geben, die noch nie was genützt haben.

2. Reflektiere den Sinn und Zweck der Kommunikationsform! Hingehen oder schriftlich reagieren?

Wenn es sich um eine Einladung und nicht um eine amtliche (verpflichtende) Vorladung handelt, kannst Du frei entscheiden, ob Du zum Gespräch hingehst, oder – wenn überhaupt – eine andere Kommunikationsform vorziehst.

Wenn Du aufgrund einschlägiger Erfahrungen mit der Schule schon voraussehen kannst, dass Du dort nur eingeladen bist, um Dich zur Kooperation gegen Dein Kind zu zwingen, um Dir zu drohen oder Dir Deine Kompetenz abzusprechen, kannst Du Dir dieses Gespräch getrost schenken.

Sollte es dennoch etwas Wichtiges zu klären geben, aber Du bist Dir sicher, im persönlichen Gespräch nicht weiter zu kommen oder unfaire Bedingungen vorzufinden, dann wähle schriftliche Kommunikation und plane mittel- und langfristig das weitere Vorgehen.

Wenn eine Vertrauensbasis mit dieser Schule für Dich aussichtslos erscheint und ihr regelrecht bekriegt werdet, rate ich dringend dazu, gemeinsam mit Deinem Kind einen Schulwechsel oder Homeschooling (bei triftigen Gründen per Ausnahmegenehmigung durchaus möglich) in Erwägung zu ziehen.

3. Wenn Du hingehst: reflektiere die Rahmenbedingungen und wie Du sie beeinflussen kannst.

Du hast keine Lust mehr auf die 3:1-Situation oder Du empfindest bestimmte Anwesende, die beim Gespräch dabei sein sollen, als störend? Du willst nicht mehr mit dem Rücken zur Türe sitzen, weil es Dein unsicheres Gefühl verstärkt? Du möchtest Herrn xy nicht mehr im Gespräch dabei haben, weil er Dir die letzten Male immer das Wort abgeschnitten hat und dir dieses im Mund herumgedreht hat – und ohnehin nichts mit der Sache zu tun hat, außer, dass er Dich professioneller als die Anderen fertigmacht? Aber Du würdest Dich besser dabei fühlen, wenn der Lehrer Deines Vertrauens, Herrn yz, beim Gespräch dabei wäre? Und es ginge Dir gut damit, wenn Du mit diesem schon mal vorab 1:1 sprechen könntest? Dir passt der Termin nicht?

Dann kommuniziere das vorab und schlucke nicht einfach das, was man Dir vorsetzt. Verlange Augenhöhe und gestalte – soweit es geht – den Rahmen mit. Stelle menschenwürdige Gesprächsbedingungen, in denen Gleichwürdigkeit und Respekt möglich sind.

4. Definiere Deine klare Haltung und Dein Ziel: worüber bist Du bereit zu diskutieren, worüber nicht?

Wenn Du in ein Schulgespräch eingeladen bist, dann ist vorab bereits festgelegt, worüber gesprochen wird. Mach Dir vorher klar, was Dein Gewinn und Dein Ziel in diesem Gespräch ist. Es sei denn es ist ein verpflichtendes Gespräch: dann definiere zumindest Dein Ziel und die Inhalte, über die Du zu diskutieren bereit bist und welche für Dich indiskutabel sind.

Wenn die Gespräche in der Vergangenheit ausgeufert sind und Dinge diskutiert wurden, die Du in Zukunft nicht mehr zur Disposition stellen möchtest (zum Beispiel Erziehungsratschläge von Lehrern anzunehmen), dann mach Dir das vorher klar und steh dazu.

Plane auch genau, welche Informationen Du Preis geben möchtest und welche nicht. Ist es wirklich vorteilhaft für Dich und dein Kind, wenn Du Dir in diesen Gesprächen allerlei Informationen entlocken lässt, die ggf. gegen euch verwendet werden?

Lege Folgendes zu Deiner Klarheit vorher schriftlich fest:

1. Der Anlass und Dein Ziel dieses Gesprächs 

2. Informationen, die Du für sinnvoll hältst, der Schule weiterzugeben

3. Informationen, die weniger sinnvoll sind, an die Schule weiterzugeben und die Du Dir auch nicht entlocken lässt!

4. Welchen Lehrer möchtest du bei diesem Gespräch unbedingt dabei haben?

5. Welchen Lehrer möchtest Du bei diesem Gespräch auf keinen Fall dabei haben?

6. Welche sonstigen Rahmenbedingungen sind mir wichtig?

7. Wie kommuniziere ich all das, worauf ich wert lege?

8. Was müsste passieren, dass ich aufstehe, mich für das Gespräch bedanke und vorzeitig gehe? Wie kann ich dem vorbeugen oder wie würde ich weiter verfahren?

9. Was wäre der worst case nach diesem Gespräch und wie könnte ich (präventiv) damit umgehen? (z. B. wenn die Schule das Jugendamt als Druckmittel gegen Dich missbraucht, obwohl Du mit Deinem Kind gut klar kommst und dieses nur manchen Lehrern ein Dorn im Auge ist, könntest Du vorher mit einer kompetenten Unterstützung einen Termin beim Jugendamt ausmachen und dort ohne Lehrer an Deiner Seite Deine Sicht der Dinge darstellen.) Diese Reflexionsfrage ist einerseits zur Vorbeugung und andererseits zum Angstabbau – denn wer einen Plan B hat, geht gelassener in so ein Gespräch.

5. Mach vor dem Gespräch nochmal Meditationen zur inneren Stabilisierung

Wenn Du Dich bewusst entschieden hast, zum Gespräch zu gehen, weil es Vorteile hat oder unter den vorher definierten Rahmenbedingungen in Ordnung geht, ist es dennoch sehr wichtig, entspannt und souverän dort hinzugehen. Keine Kommunikationsstrategie und keine Rhetorikfloskel nützt Dir etwas, wenn Du voller Angst, wutentbrannt oder ohne klare Ausrichtung ins Gespräch gehst.

Je nachdem, welches Gefühl bei Dir vordergründig ist, mache passend zum Gefühl, welches Du transformieren möchtest, zum Beispiel o. g. Meditationen oder eine Allround-Meditation zur Transformation negativer Gefühle (bspw. „negative Gefühle in Freude verwandeln“ von Robert Betz)

Wenn Du insbesondere vor der Begegnung mit einem bestimmten Lehrer, der aber beim Gespräch dabei sein muss, Angst hast, kann ich Dir die Meditation „Frieden mit meinem Arschengel“ von Robert Betz empfehlen, in der Du diesem Lehrer vorher schon mal in einem inneren Raum begegnen, ihm gegenüber Ängste und Wut abbauen sowie energetische Verstrickungen lösen kannst.

6. Nimm Dir einen Zeugen - am Besten eine kompetente Begleitung mit, der Du 100 % vertraust

Wenn ein Konfliktgespräch mit der Schule ansteht, Du es für sinnvoll oder notwendig erachtest, hinzugehen und Du Dich mehreren verschiedenen Personen mit Mitspracherecht gegenübersetzen sollst (beim „runden Tisch“ sind klassischerweise nicht nur Lehrer und Rektoren, sondern auch Schulpsychologin, die Dame der Erziehungsberatungsstelle und ein Jugendamtsmitarbeiter zugegen), nimm Dir mindestens eine Person als Zeuge und Verstärkung mit.

Wichtig ist, dass Du dieser Person zu 100% vertrauen kannst, sie einen gewissen Einblick hat, Dir den Rücken stärken kann, Dich ggf. darauf aufmerksam machen kann, wenn Du Dich verrennst und Dir ggf. ein Zeichen geben kann, dass es Zeit ist, aufzustehen und zu gehen.

7. Lass Dich coachen für dieses Gespräch und Du eignest Dir auch langfristig neue Skills an

Wenn Du lernen möchtest, Dich generell besser behaupten zu können, Deinen Standpunkt zu vertreten, Deine Kommunikation mit der Schule vorzubereiten und von den neuerworbenen Skills auch in anderen Lebensbereichen profitieren möchtest, dann lass Dich vor solchen unangenehmen Gesprächen coachen.

Möchtest Du professionelle Unterstützung, um in der künftigen Kommunikation mit oder wegen der Schule erfolgreicher zu sein?

Katrin Semm
Bildungsmanagerin (M. A.)
zert. Kommunikationstrainerin

Dann unterstütze ich Dich als Kommunikationstrainerin und Coach mit pädagogischem Master sehr gerne. Willst Du mich ganz unverbindlich persönlich kennenlernen und mit mir darüber sprechen, wie ich Dich unterstützen kann?

Comments 2

  1. David Frei
    24. Januar 2017

    Danke für die sieben Schritte. Die kann ich auch auf andere anstehende Gesprächssituationen übertragen. Noch eine Frage: mit welchen triftigen Gründen bekommt man eine Ausnahmeregelung für Homeschooling? Herzliche Grüße – David Frei

    1. 24. Januar 2017

      Hallo David,

      Ausnahmegenehmigungen sind natürlich nicht leicht zu kriegen – aber ich kenne welche, die das bekommen haben. Triftige Gründe können zum Beispiel sein: traumatische Erlebnisse in der Schule (Mobbing, Gewalt durch Lehrer und Mitschüler), Autismus, Hochbegabung, längere Krankheiten, welche eine Wiedereingliederung schwierig machen oder wenn Eltern aus beruflichen Gründen immer wieder an andere Orte müssen (z. B. Schausteller, Zirkusbetreiber etc.) Hier wäre der Link eines Rechtsanwaltes für Schulrecht zu dem Thema, bei dem Du Dich da genauer informieren kannst http://www.schulrecht.rechtsanwalt-zoller.de/homeschooling-hausunterricht.html

      Hier wäre so eine Onlineschule http://webindividualschule.de/

      Viele liebe Grüße

      Katrin

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